Paradies vor unserer Haustür

Projekt „Erwerb und Bewirtschaftung des NSG ‚Seeteich Blankenhain‘“

von Dr. Alexandra Stremke


Sicher gibt es niemanden im Südkreis Weimarer Land, der den Seeteich bei Blankenhain nicht kennt. Unmittelbar vor der Stadt in Richtung Egendorf gelegen, ist er ein Kleinod unseres Kreises. Kaum 3 ha Wasserfläche, umgeben von ausgedehnten Schilfbeständen und angrenzendem Grünland, bilden heute mit insgesamt 15,4 ha das Naturschutzgebiet „Seeteich Blankenhain".

Der Seeteich von Nordwesten am 26.Juni 2006
Der Seeteich von Nordwesten am 26.Juni 2006

Die Entstehung des Gebietes
Bis in die 1950er Jahre war der Seeteich die größte Wasserfläche des Kreises. Ursprünglich wurde der Teich als Mühl- und Fischteich genutzt. Vermutlich geht die feuchte Niederung bei Blankenhain auf unterirdische Salzauslaugungen zurück. An Stelle des heutigen Teiches kann sich vor 2.000 Jahren ein größeres Naturgewässer befunden haben. Dafür sprechen das Geländerelief, die Vorflutverhältnisse und das Gestein unter dem Wiesenboden.
Im Südwestteil befand sich bis in die fünfziger Jahre das Blankenhainer Bad. In den „Kinderteichen“ wurden Fischbruten herangezogen, die dann im großen Teich ausgesetzt wurden. Durch die nachlassende Nutzung kam es zur Extensivierung der Flächen. Die Kinderteiche verlandeten. Die Karpfenzucht wurde eingestellt und mit dem Abzug der Sowjetarmee hörte auch das illegale Angeln auf.

Was bislang geschah
Das Gebiet stand stets, mindestens seit 100 Jahren, im Mittelpunkt naturkundlichen Interesses. Seit 1900 gibt es Nachweise hier vorkommender Tier- und Pflanzenarten. 1968 wurde das Gebiet zum Flächennaturdenkmal (FND) erklärt. Im Jahre 1991 erfolgte die einstweilige Sicherung als Naturschutzgebiet (NSG), die 1996 in eine endgültige umgewandelt wurde. Diese nachhaltige Sicherung erfolgte im Ergebnis eines Schutzwürdigkeitsgutachtens, das den ökologischen Wert des Gebietes und seine besondere Stellung im Kreis hinsichtlich Flora und Fauna untermauerte.

In den vergangenen Jahrzehnten konnte sich das Gebiet in aller Ruhe zu einem Vogelparadies entwickeln. Der Süddamm wurde befestigt und der Mönch repariert. Die Bewirtschaftung durch Beweidung mit Ponys zeigte sich als erfolgversprechend zur Freihaltung der Dämme. Die Herstellung von Kleinstgewässern vergrößerte das Lebensraumangebot für Amphibien. Durch die teilweise Entfernung der Pappeln wurden Schneisen zum angrenzenden Grünland geschaffen. Die Einzäunung sicherte den Tieren einen ungestörten Jahresrhythmus. Eine fünf Meter hohe Aussichtsplattform wurde gebaut und seitdem von zahlreichen Bürgern genutzt, um die Tiere in ihrer Umgebung zu beobachten und dabei ihre Artenkenntnisse zu erweitern. Das Naturschutzzentrum Weimar/Thüringen e.V. setzte sich viele Jahre für die Pflege und Instandhaltung des Gebietes ein.

Ansicht von Osten am 7. Juli 2007
Ansicht von Osten am 7. Juli 2007

Die Artenvielfalt am Seeteich
Für seine, im Vergleich mit anderen Schutzgebieten, recht geringe Größe ist der Seeteich und seine Umgebung von großer Artenfülle. Sie wird durch das Mosaik aus Wasser, Röhricht, Grünland und Gehölzen auf engstem Raum begünstigt.
Allen Besuchern vertraut sind die Höckerschwäne, Stock- und Reiherenten sowie die Bläßrallen, die vom Frühjahr bis in den Herbst stets anwesend sind. Auch die Rohrweihe ist oft und gut zu beobachten. Andere Arten, wie der Zwergtaucher und die heimliche Wasserralle sind eher zu hören als zu sehen. Mit etwas Glück kann jeder im Herbst aber ein besonderes Schauspiel erleben, den abendlichen Einfall von tausenden Staren mit ihren spektakulären Flugmanövern. Andere Gäste der Dämmerung sind regelmäßig Wasser- und Zwergfledermäuse, die über den Wasserflächen auf Insekten Jagd machen. Fünf Amphibienarten gibt es derzeit am Teich, von denen der Wasserfrosch nicht zu überhören ist. Verloren gegangen ist dem Gebiet dagegen der Ruf des einst weit verbreiteten Laubfrosches. Ob er eines Tages auch hier wieder Regen verkünden wird, wie der Volksmund glaubt?

Global Denken – lokal Handeln
Heute ist der Seeteich ein Paradies vor unserer Haustür, das wir uns bewahren wollen. Es soll auch in Zukunft Heimstatt von Brut- und Zugvögeln sein. Und Besucher werden vom „Aussichtsturm“ aus auch weiterhin Einblicke in das Treiben auf der Wasserfläche nehmen können. Eine extensive Fischhaltung wird es zukünftig ermöglichen, jährlich Fisch aus dem Seeteich in Blankenhain für den heimischen Speisezettel zur Verfügung zu stellen.

 

Nachhaltiger kann die Zukunft des Seeteiches nicht sein!

Das NSG gehört zu den Flächen, die aus dem Bundesbesitz an Naturschutzstiftungen übergeben werden sollten. Seit 2013 ist der rund 7,7 Hektar große Seeteich nun endlich im Besitz der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe und wird so dauerhaft für die Natur bewahrt. Der Regionalverband ist nun Pächter bei der Stiftung des NABU.

Naturschutzjugend

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Bescheibung/ Inhalt
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